E-Book: Der unsichtbare Feind

Liebe Leserin,
Lieber Leser,

wie es mit Maroochy Shire weitergeht, erfahren Sie im ersten Kapitel unseres Buches. Als wir vor zwei Jahren die Idee zu einer umfangreicheren Publikation zum Thema Cyberkriminalität hatten, waren viele Dinge, mit welchen wir uns auf den nachfolgenden Seiten auseinandersetzen, noch im Entwicklungsstadium. Für viele schien es unwahrscheinlich und weit hergeholt, jemals selbst Opfer einer cyberkriminellen Handlung zu werden, was gleichzeitig den oftmals nachsichtigen Umgang mit der so notwendigen Sensibilisierung und Prävention erklärt. Die mittlerweile von den kriminellen Handlungen betroffenen Unternehmen waren sich offensichtlich nicht im Klaren darüber, wie schnell sie selbst zum Opfer werden können.

Unser primäres Ziel ist es daher, allen Interessierten und potenziell Betroffenen einen einfachen Überblick darüber zu geben, wie die Underground Economy tickt und was man tun kann, um im Fall eines Angriffs diesen früh genug zu erkennen, sowie Maßnahmen in die Wege zu leiten, die eine bereits ausgebrochene Krise bekämpfen. Denn wenn in weiterer Folge die notwendigen Schritte zur Eindämmung der Krise unterlassen oder unglücklich gesetzt werden, kommt es oftmals zu einer weiteren Verschärfung der ohnehin bereits unbefriedigenden krisenhaften Situation.

Um einen vielschichtigen Fall aufzuzeigen, mussten wir uns nicht einmal außerhalb Österreichs umsehen. Die Thematik des oberösterreichischen Flugzeugkomponentenherstellers FACC illustriert sehr deutlich, wie massiv eine Attacke von Cyberkriminellen wirkt. Neben den monetären Auswirkungen zog diese – trotz des hohen Auftragsstands – einen leider nicht exakt messbaren Image- und Markenschaden in der Öffentlichkeit nach sich. Jene Diskussionen, die sich auf der jüngsten Hauptversammlung des Unternehmens abgespielt haben, sind noch immer eine direkte Auswirkung des mittlerweile mehr als eineinhalb Jahre zurückliegenden President Fraud. Deshalb haben wir uns den Kriminalfall FACC im dritten Kapitel des elektronischen Buches etwas genauer angesehen.

Dass cyberkriminelle Handlungen häufig nicht dem Zufall entspringen und dass ihnen meist klare „Arbeitsschritte“ vorausgehen, zeigt die Systematik der unterschiedlichen Täter. Ein mittlerweile hoch entwickelter Businesskreislauf sorgt für die Einhaltung der einzelnen Arbeitsschritte, ähnlich denen eines gut organsierten Unternehmens.

Um diese einzelnen Ebenen bestmöglich nachvollziehen zu können, sind wir in die Tiefen des Darknet hinabgestiegen und haben jene Möglichkeiten dokumentiert, die Kriminelle und deren Auftraggeber vorfinden. Ähnlich der Innenansicht eines Panoptikums offenbart sich dem Betrachter das düstere Angebot krimineller „Dienstleister“. In diesen dunklen Ecken des Internets hat sich in den letzten Jahren still und leise ein Marktplatz entwickelt, der Hackern die Möglichkeit gibt, ihre Fähigkeiten Kunden anzubieten. Und das, obwohl die Exekutive den Bösewichten teilweise dicht auf der Spur ist.

Neben der Faszination, die diese Schattenwelt auf ihren Besucher unweigerlich ausübt, war unsere Arbeit vor allem von einer Frage dominiert: Was treibt den Cyberkriminellen eigentlich an? Unausweichlich erschien es uns daher, die einzelnen Motivlagen jener Menschen herauszuarbeiten, die mittels unterschiedlicher Methoden Individuen und Unternehmen vorsätzlich schädigen. Dass diese Motive mannigfaltiger Art sind und von Spaß bis zur Auftragsarbeit, vergleichbar mit der eines Auftragskillers, reichen, unterscheidet damit den Unsichtbaren Feind überhaupt nicht von seinem realen, angreifbaren Kollegen in der Mitte der Gesellschaft. Am Ende aller Aktivitäten steht immer die Entscheidung eines Menschen, der aufgrund seiner individuellen soziokulturellen Prägung unterschiedliche Handlungen setzt.

Ein besonderer Dank gebührt dem Grazer Künstler Jörg Vogeltanz, der das E-Book grafisch gestaltet und damit der behandelten Themenstellung einen besonderen, unvergleichlichen Ausdruck verliehen hat.

Und am Ende bleibt uns nur festzuhalten: Ja, uns allen hat das Eintauchen und die Beschäftigung mit dieser faszinierenden und ernsten Thematik Spaß gemacht. „We did it for the lulz!“ Das würden Cyberkriminelle treffend dazu sagen.

Martin Zechner | Elisabeth Hödl

 

 

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